Cloud Worker: Arbeitsmonaden im digitalen Workspace?

In diesem Blog geht es um die Veränderung in der zukünftigen Arbeitswelt. Die Annahme ist, dass die Unternehmen große Kosten- und Produktionsvorteile haben, wenn sie immer mehr Menschen in sogenannte Clouds auslagern.

Es stellt sich auch die Frage, ob die schleichende Entwertung der Personalabteilung mit dem Cloud Working sich weiter beschleunigt. Immer weniger Personaler müssen immer Menschen im Unternehmen betreuen. Das Outsourcing in Shared Service Center für Personaladministrations ist schon länger im Gange. Verschiedene Untersuchungen von Kienbaum, Mercer und anderen zeigen, das Image der Personalabteilungen hat sich seit in den letzten Jahren nicht verbessert.

Clouds sind weltweite Netzwerke der Zusammenarbeit von freien und festangestellten Mitarbeitern (w/m). Die Entwicklung ist voll im Gange, nicht nur durch die Leiharbeit.  Die Piratenpartei sind auf der politischen Ebene ein Vorbote des Paradigmawechsel, in dem sich unsere Gesellschaft in naher Zukunft befinden wird, nämlich in der Auflösung klassischer Organisations- und Machtformen. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Menschen und ihre Arbeitsbeziehungen haben wird, können Sie in diesem Blog nachlesen und in diesem kleine Film einmal vorempfinden.

Hier ein Video über die Zukunft des Cloud Workings,  ansehen lohnt sich:

Unternehmen lösen Teile ihrer Belegschaft auf (IBM goes liquid)

Die Festanstellungen sind trotz Arbeitsmarktboom in Deutschland um 18,5% zurückgegangen. Laut Spiegel (Heft 6/2012) ist schon 20% der Belegschaft ausgesourct (Bild 1). Inbesondere große Unternehmen lagern einen Teil ihrer Servicebereiche in Shared Service Center aus, um Kosten zu sparen. Die Mitarbeiter des Unterehmens werden z.B. in Personalfragen und Gehaltsabrechnung europaweit aus Tschechien oder Irland betreut. Kunden werden ebenso europaweit je nach Sprache aus einem Kundencenter koordiniert. Logistikabteilung werden aufgelöst und auf Fremdanbieter ausgelagert usw.

Bild 1: Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern!

Die Leiharbeit in Deutschland ist um 79% gestiegen. IBM will 8.000 von 20.000 Arbeitsplätzen allein in Deutschland abbauen. Mitarbeiter sollen je nach Projekt- und Arbeitsbedarf eingestellt oder entlassen werden.

Cloud Working ist der zukünftige Arbeitsraum

Durch leistungsfähige mobile Technologien können immer mehr Unternehmen weltweit ihre Arbeit in virtuellen Clouds organisieren (Bild 2). Das funktioniert so: Die besten Spezialisten werden weltweit zu den besten Konditionen in den Unternehmen gehalten. Übrig bleibt nur noch eine kleine Kernbelegschaft zur Kundenbindung und Kundengewinnung. Alle anderen Mitarbeiter (w/m) werden vorübergehend in Projekten beschäftigt. Diese bieten sich in Arbeitsnetzwerken oder Vermittlungsforen für Arbeitskräfte an. Die Auswahl funktioniert wie eine Art „Apple Shop“. Wie bei Apple kommen nach strengen Zertifizierungskriterien nur Menschen in die Cloud, die diese Auflagen erfüllen. Dabei wird es unterschiedliche Gütegrade geben. Spezialisten werden projektübergreifend im virtuellen Arbeitsraum organisiert und koordiniert.

Menschen, die zeitweise und permanent in der Cloud beschäftigt sein wollen, müssen ihre Qualifikation auf verschiedenen Ebenen eigenständig oder in Kooperationen mit den Unternehmen weiterentwickeln. Sie werden bewertet durch spezielle Bewertungsportale von Kunden, Unternehmen oder sozialer Netzwerke.

Bild 2: Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern!

Cloud Worker haben viele Vorteile für die Unternehmen

  • Unternehmen umgehen nationale Arbeitsrechtsstandards
  • Personalkosten können eingespart und flexibilisiert werden
  • Nutzung von weltweiten Arbeitsmärkten
  • Auswahl der besten Talente weltweit
  • Lösung regionaler demografischer Probleme
  • Staffel-Produktion rund um die Uhr entlang der Zeitzonen

Konsequenzen für die Menschen und die Arbeitswelt

Es werden immer mehr Menschen in die Selbstständigkeit gehen und in einem weltweiten Wettbewerb stehen. Es wird immer mehr „bunte Lebensläufe“ geben, die einen Wechsel von Festanstellung und selbstständigen Arbeitsformen haben. Die digitale Bewertung von Menschen im Netz wird auch über die berufliche Entwicklung eine immer grössere Rolle spielen.

Menschen werden immer mehr vereinzeln und sich über die digitalen Medien weltweit mit anderen Menschen in der Zusammenarbeit vernetzen. Es entstehen virtuelle Arbeitsbeziehungen. Es werden nur noch wenige soziale Identifikationen mit den Unternehmen stattfinden. Die einzig verlässliche Größe ist die eigene Employability (eigene Arbeitsmarktfähigkeit).

Inbesondere das deutsche Arbeitsrechtssystem und der deutsche Sozialstaat werden sich stark verändern. Mitbestimmungsrechte müssen neu ausgehandelt werden. Sozial- ind Einkommensstandards werden sinken, weil der Maßstab nicht mehr nationale Arbeitsmärkte, sondern der weltweite Arbeitsmarkt ist. Damit Menschen von dem Einkommen leben können, müssen sie entweder mehrere Jobs machen oder in andere Regionen der Welt auswandern, wo sie vom dem Geld leben können.

Zukünftig brauchen die Menschen eine multiprofessionelle Intelligenz. Sie brauchen eine breites Spektrum an Fähigkeiten. Sie müssen die digitalen Medien ebenso beherrschen, wie eine multikulturelle und fachübergreifende Zusammenarbeit und das in verschiedenen Sprachen.

Weitere Quellen: taz: Die traurigen Tagelöhner, Spiegel 6/2012: Freischwebend in der Wolke

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6 Kommentare

  1. Diese Entwicklung, wenn sie denn kommt, wird den Menschen noch mehr ihre Identität rauben. Schon jetzt fehlt die Identität zur Familie, die eigene Identität ist bei vielen auch nicht vorhanden und nun soll auch noch die Identität zum Unternehmen genommen werden? Berater und Therapeuten können sich die Hände reiben, denn was da an Menschen mit persönlichen Problemen auf sie zurollt, ist noch nicht abzusehen. Gerade in letzter Zeit kommen immer mehr Menschen, so um die dreißig, weil sie ihre Identität nicht finden können, zur Beratung. Deshalb die Frage: Geht es auf dieser Welt um Menschen, oder geht es ums Geld? Was soll überleben? Ein Haufen Geld oder die Menschheit?

  2. Diese These sollte heftige Diskussionen hervorrufen. Ich selbst gehöre nicht zu den Menschen mit stromlinienförmigem Lebenslauf. Aber fördert die oben beschriebene Entwicklung nicht gerade das Standardisieren von Menschen und ihnen erwiesenen Kenntnissen?

    1. Hallo Frau Göhring,
      ich nehme auch an, dass es als Übergang „bunte“ Lebensläufe geben wird, wie das jetzt schon der Fall in vielen Branchen ist. Ich teile Ihre Annahme, dass es möglicherweise über die digitalen Formen der Bewertungen zu Standardisierungen kommen kann, die den Menschen nicht gerecht werden.

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