Zeit für eine neue Lernkultur

In diesem und im nächsten Blog berichte ich über eine Fachtagung an der Universität Hamburg der Pädagogischen Fakultät, die am 19. Oktober 2012 zum Thema „neue Lernkultur“ stattgefunden hat.  Dabei konzentriere ich mich auf zwei Vorträge von Prof. Claudia Osburg und Prof. André Zimpel. Prof. Zimpel ist in Deutschland u.a. bekannt für seine Lernforschung über Menschen mit Trisomie 21.

Im Zentrum des Kongresses stand der Austausch von Argumenten allein um die Frage, dass unser jetziges Schulsystem mit seinen grundlegenden Annahmen über das Lernen, keine wissenschaftliche Grundlage mehr hat. In diesem Blog werden dazu aus Sicht der o.g. Referenten die Argumente dargelegt.

Für Personaler (w/m) ist diese Entwicklung von besonderen Bedeutung. So wie unser Schul- und Hochschulsystem im Moment verfasst haben, bekommen wir in Zukunft neben dem Problem der Quantität (Demographie) auch ein erhebliches Qualitätsproblem in den Unternehmen. Unser Bildungssystem ist in seiner jetzigen Verfasstheit in nicht in der Lage, Menschen mit zukunftsfähigen Fähigkeiten auszubilden.

Die grundlegenden Annahmen unsere Schule über das menschliche Lernen sind wissenschaftlich nicht mehr haltbar!

Bei den Lernzielvermittlungen und den Lernzielkontrollen wird nicht vermittelt und überprüft, was ein Mensch weiß, sondern was er nach Vorstellung der Schulbehörden und Lehrer wissen sollte.  Ein Beispiel aus einer Lernzielkontrolle von Prof. Claudia Osburgmacht dieses sehr deutlich:

Lehrerfrage: Was braucht man im Mittelalter, um Schreiben zu können?

Antwort der Schülerin: Man musste Adelig oder Priester sein.

Korrektur der Lehrerin: Das ist zwar richtig, aber gemeint war, dass man Stift und Tinte brauchte.

Auf das komplexe und bemerkenswerte Wissen der Schülerin wird nur beiläufig eingegangen.  Da es nicht in das erwünschte Antwortschema passt, bekommt die Schülerin für ihre Antwort keine Wertschätzung und auch keine Punkte.

Wir geben täglich viel Geld aus, damit Menschen lernen, sich wie dressierte Affen zu verhalten, um das auszuspucken, was andere hören wollen. Hiermt bilden und belohnen wir Anpassung, aber keine kreativen und selbstständig handelnden Menschen. Unser Schulsystem produziert „kognitive Mastschweine“, die kaum Erfahrungen damit haben, auf der kognitiven Mastweide selber Trüffel zu finden. Wir brauchen in Zukunft keine „kognitiven Mastschweine“, wir brauchen „Wildschweine“.

Was der Lehrerkommentar auch zeigt, ist, dass die Bewertungen relativ sind und hier den Maßstab der Lehrer verabsolutieren. Die Sichtweise von Schülern wird hier  nicht berücksichtigt. Damit können die Menschen in den Schulen auch nur schwer ein positives Selbstkonzept aufbauen, dass auf positiven Lernerfahrungen beruht.  Schule bildet verunsicherte und angepasste Menschen heraus, die mitnichten in der Lage sein werden, die  Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Im nächsten Blog geht es um den Vortrag von Prof. Zimpel, der sich mit der Frage beschäftigt, warum die Gehirnforscher mit dem Schulsystem nicht mehr zufrieden sein können.

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