Psychopathen im Chefsessel?


Empathieforschung ist zur Zeit das große Thema. Selbst der Spiegel widmet sich diesem Thema häufiger, zuletzt als Titelthema in der Ausgabe  29/2013 mit dem Thema – Die Magie des Mitgefühls. Besuchen Sie zu diesem Thema unser Webinar am 6. August, 10:00 Uhr. Es geht um aktuelle Ergebnisse der Neurowissenschaft zur Persönlichkeitsentwicklung. Hier geht es zu Anmeldung.

Neue Befunde der  Neurowissenschaft zeigen, dass wir als Menschen mit einem hohen Maß an Empathie geboren werden. In den ersten beiden Lebensjahren sind wir existenziell darauf angewiesen, die Mimik und Gestik von Menschen jenseits des Bewusstseins und der Sprache richtig einzuschätzen.

kleines Gehirn

In der Evolution der Menschen im Tier-Mensch-Übergangsfeld (ca. 4,5 Mio. Jahre) ist der soziale Zusammenhalt in Gruppen ein wesentlicher Selektions-vorteil gewesen. Menschen sind damit von Natur aus soziale Wesen und dies ist in unserem Gehirn durch sogenannte Empathieneuronen verankert.
Das menschliche Empathiesystem umfasst dabei die unteren und mesol-imbischen Zentren und vor allem den orbitofrontalen, anterioren cingulären und insulären Cortex für die Wahrnehmung des Schmerzes bei anderen als auch den Scheitel und Schläfenlappen zum Erkennen von Mimik und Gebärden.
Mit der Empahtie ist es allerdings genauso wie mit allen anderen Fähigkeiten unseres plastischen Gehirns: Use it or loose it.
Menschen die in einem liebevollen und fordernden Umfeld aufwachsen, entwickeln ein hohes Maß an Empathie. Menschen, die in einem Umfeld mit wenig Wertschätzung, sozialer Kälte und Härte aufwachsen, verlieren ihre  Empathie. Kleinkinder entwickeln selbst zu Eltern, die ihnen schaden, eine hohe Bindungsfähigkeit und ein hohes Maß an Eigenliebe (Narzissmus). Um nicht als Sonderlinge zu gelten, lernen sie sehr früh und erfolgreich das „Vorspielen von Mitgefühl“  (Prof. Hüther). Psychopathen sind sehr wohl in der Lage, starkes Mitgefühl nachzuahmen oder vorzuspielen, wie der berühmte Fall des Briten Mc Fillport zeigte, der sein Haus angesteckt hat, wodurch sechs Kinder starben.
Die Forschungsgruppe um Stefan Röpke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charitee hat bei Narzissten im Gehirn etwas Spannendes entdeckt: Einige ganz spezielle Strukturen sehen bei ihnen messbar anders aus – und viele davon haben mit der Steuerung von Empathie zu tun. Die Hälfte von ihnen litt unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach US-Definition. „Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung haben ein Defizit im Mitfühlen, also bei der emotionalen Empathie aufweisen“, erläutert Röpke.
Ein Psychopath erkennt man u.a. an übersteigerten Selbstwertgefühl, einen Mangel an Reue oder Schuldgefühl, Skrupellosigkeit und Aggression, alles Merkmale die Karriere befördern können.
Nicht jeder Psychopath muss nämlich gewalttägig sein. Was erfolgreiche Menschen von Gewaltverbrechern unterscheidet, ist das höhere Maß an Selbstkontrolle. Der Kriminalpsychologe Robert Hare führte 2006 eine viel-beachtete Studie durch, nach dem ca. 4 % der Toppositionen in Politik und Wirtschaft von Psychopathen besetzt sind.

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1 Kommentare ↓

ein Kommentar - “Psychopathen im Chefsessel?”

  1. Linda 1. September 2016 um 22:05 #

    Cool. Toller Artikel, weiter so

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