Das kalte Empathiesystem: Warum skrupelose Menschen in Wirtschaft und Politik erfolgreich sind

Robert Hare hat in einer Studie festgestellt, dass 2% der Bevölkerung in den USA Psychopathen sind. Diese begehen über 50% aller schweren Gewaltverbrechen.  Seit Jahren rätseln Forscher über die Ursachen der Gewaltbereitschaft dissozialer Persönlichkeiten. Ein Teil der Forscher sieht die fehlende Angst vor Strafe als Schlüssel zur dissozialen Persönlichkeitsstruktur. Andere nehmen mangelndes Mitgefühl an, dass Psychopathen anderen Menschen skrupellos schaden können.  Hirnscans bestätigen diese Annahme. Sie zeigen, dass bei Psychopathen bestimmte emotionale Gehirnareale gering ausgeprägt sind.

haniballektor
Die Neurowissenschaft kennt vier Ebenen des Empahtiesystems. Zu den vier Ebenen der Empathie gehören:

  • Perspektivenverschränkung,
  • Betroffenheit,
  • Mitgefühl und
  • Identifikation.

Nur zwei Ebenen, das Mitgefühl und die Betroffenheit haben im engeren Sinne etwas mit der menschlichen Empathie zu tun. Die anderen zwei Ebenen sind aus den Spiegelneuronensystemen entstanden und dienen zur sozialen Aktivitätskoordination, die auch Primaten schon beherrschen.
Ein Psychopath ist skrupellos in der Lage eine feindlich-listige Perspektivenverschränkung einzunehmen und ein hohes Maß an Identifikation mit seinen Opfern zu zeigen. So legen Untersuchungen von Angela Book an der Brook Universität in Kanada die Annahme nahe, dass Psychopathen die Schwächen ihrer Opfer an dessen Gang erkennen können. Psychopathen sind auch in der Lage, Mitgefühl vorzuspielen. Nur Experten erkennen die willentliche Steuerung der mimischen Gesichtsmuskelatur, insbesondere an den Augenwinkeln (kaltes Lächeln).
Die Hauptmerkmale von gewalttätigen Psychopathen sind:

  • Übersteigertes Selbstwertgefühl,
  • Mangeln an Reue und Schuldgefühl,
  • fehlendes Einfühlungsvermögen,
  • wahlloses sexuelles Verhalten und
  • geringe Selbstkontrolle.

Nicht jeder Psychopath muss ein auffälliger Gewaltverbrecher sein. Viele können ihre Aggression kontrollieren und sind in der Geschäftswelt und Gesellschaft überaus erfolgreich. Es gibt eine Reihe von Anforderungen in der Politik und Wirtschaft, wo es darum geht, kalt und skrupellos etwas umzusetzen und bei dem die mangelnde Empathie von Vorteil sein kann.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit geringer Empathie in besonderen Stresssituationen kühl und mit niedrigem Puls lebensgefährliche Situationen meistern. So muss ein Sprengmeister sein Puls runterfahren können, wenn er eine Bombe entschärft. Neil Amstrong landete auf dem Mond kaltblütig im steinigen Gelände, kurz bevor der Sprit der Eagle zu Ende war. Chirurgen müssen mit ruhiger Hand die schwierigsten Operationen meistern.
Sobald es allerdings um Menschenführung unter normalen Umständen geht, sind Psychopathen im Chefsessel vielleicht noch als Dampframmen für kurzfristige Erfolge wirksam und daher an der Börse sehr beliebt. Sie sind auch in der Lage, der Belegschaft Begeisterung und Mitgefühl vorspielen. Langfristig sind sie jedoch nicht in der Lage, Menschen erfolgreich zu führen. Wie Hannah Arendt schon bemerkte: Das Böse ist nie nachhaltig.

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