Woran die künstliche Intelligenz scheitert

Durch Industrie 4.0, der digitalen Produktion, dem Netz der Dinge, geht wieder das Gespenst der menschenleeren Fabrik und der Ersetzbarkeit des Menschen um.

Seit ca. 50 Jahren versuchen Forscher der künstlichen Intelligenz Maschinen oder Robotor nachzubauen, die im menschlichen Sinne einsichtig und intelligent sind. Hochangesehene Wissenschaftler der Informatik, Psychologie, Medizin und Biologie waren in den 60er Jahren der Meinung, innerhalb einer Generation Maschinen mit künstlicher Intelligenz zu schaffen. Auch werde man bald Emotionen auf einer Maschine programmieren können.

Heute wissen wir, dass nicht einer der Prognosen eingetroffen ist. In der Gegenwart existiert nicht ein Computer oder eine Maschine, die nur annäherungsweise über menschliche Intelligenz verfügt. Wie war es möglich, dass die Wissenschaft sich in dieser Angelegenheit so radikal täuschte?

Es fällt zunächst auf, dass Maschinen bei Aufgaben, die Menschen problemlos bewältigen (z.B. Fussball spielen), scheitern. Dort wo es Menschen schwer fällt, z.B. beim Rechnen mit großen Zahlen, Computer viel besser sind.

roboter

Für die Wissenschaft der künstlichen Intelligenz sind die Schnittstelle der Maschinen zur realen Welt und die Komplexität und Arbeitsweise unseres Gehirns nur zwei von vielen ungelöste Herausforderungen. Wie eine Milliarde Gehirnzellen selbststeuernd hocheffizient und energiesparend zusammenwirken, ist bisher ebenso ein ungelöstes Rätsel, wie die Tatsache der Musterwahrnehmung, das Zusammenspiel von Epigenetik und Gehirnleistungen sowie der enormen Neuroplastizität des menschlichen Gehirn. Letzlich nicht wirklich verstanden und erklärt, ist das hochkomplexe Zusammenspiel von Gehirn und den vegetativen Nervensystemen.

Der tiefe Grund für das Versagen der künstlichen Intelligenz liegt in all diesen beschriebenen Phänomen und im Kern in der Vernachlässigung der Beziehungen zwischen Körper und Umwelt. Gefühle, Denke, Motivation und Handlungen sind beim Menschen untrennbar mit seinen Körper und Körperausdruck verbunden. Gefühle, Emotionen, mentale, geistige Verfassung und die Beziehung zur Umwelt  bestimmen den Körperausdruck.

Sowohl die Vertreter der künstlichen Intelligenz als auch der kognitiven Neurowisssenschaften verkürzen den Menschen auf Kognition und Arbeitsweisen von Neuronen. Soweit die Forscher der künstlichen Intelligenz annehmen, sie können bestimmte Funktionsweisen des Gehirns mit der Logik von Computerprogrammen abbilden, kommen sie automatisch in das Problem der „kombinatorischen Explosion“. Damit ist gemeint, dass für eine Maschine alles in der Welt gleich wichtig oder unwichtig ist. Wie bringe ich einem Computer oder eine Maschine bei, wichtiges von unwichtigen zu unterscheiden?

Der Mensch kann dies durch emotionale Bewertungen im Verhältnis zu seinen Bedürfnissen im interaktiven Abgleich zur Umwelt. Um eine Maschine in eine sinnvolle Abfolge von Aktivitäten zu bringen, muss der Programmierer eine explosionsartige Zunahme an Berechnungen von Wenn-Dann-Beziehungen vornehmen (kombinatorische Explosion).

Echte Intelligenz baut auf nicht-sprachliche, unbewusste Prozesse in Einheit von Kognition, Emotion, Motivation und Handlungskontext auf. Möglicherweise ist der Reduktionismus in der Idee geschuldet, den Menschen ersetzen und steuern zu können, umso Forschungsgelder zu bekommen oder grösseres Interesse zu wecken.

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2 Kommentare ↓

2 Kommentare - “Woran die künstliche Intelligenz scheitert”

  1. Alexander Bresk 9. November 2014 um 11:47 #

    Meiner Meinung nach ist die Künstliche Intelligenz nicht in Gänze gescheitert. In der KI hat man nachweislich um Forschungsgelder gerungen, um nicht zu verhungern (sie KI-Winter). Das hat aber so ziemlich jeder Forschungszweig getan (fernab der Forschung auch in der Wirtschaft).

    Allerdings ist es das Handling-Of-Expectations, die jemanden dazu veranlasst, die KI als gescheitert zu beurteilen. Die KI ist viel weiter, als das öffentliche Bewusstsein und bestimmte Projekte, die in Kellern von MIT, N(A)SA, Stanford, etcpp. schlummern, sind toll, hilfreich & teilweise entfremdend (aus jetzigem Bewusstsein). Aber genauso toll wie sie sind, genauso viel Angst würden sie dem Durchschnittsbürger (mit wenig technischen Bewusstsein) machen.

    Intelligente Algorithmen, auch in Form gebracht durch Roboter, gibt es sehr viele, nur die wenigsten sind bereit, sich darauf einzulassen. Das ist auch vollkommen Okay, denn man muss niemanden Technik aufzwingen, die er dann eh nur falsch & in einem ungesunden Maße nutzt (siehe Facebook, WhatsApp, etc.).

    Wie bewerte und differenziere ich als Mensch ‚Kommunikation‘, ‚Interaktion‘, ’soziale Kompetenzen‘ etc etc. – solche Sachen spielen in einer komplexen Welt eine große Rolle. Darum gehts ja auch hier im Blog und soll von mir nur eine Randbemerkung sein.

  2. Christiane Richter 24. November 2014 um 12:03 #

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Zeigt er doch wieder, dass der Mensch mehr ist als die Summe seiner Teilchen und was den Menschen von der Maschine unterscheidet: Die emotionale Intelligenz.

    Herzliche Grüße
    Christiane Richter
    ICK Institut für Coaching und Kompetenz

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