Wir befinden uns in einer Phase weitreichender technologischer Umbrüche, die alle gesellschaftlichen Bereiche verändern wird. Im Schach haben Computer Menschen schon besiegt. Das Spiel Go aber war bisher zu komplex dafür. Go ist einfach: Die Spieler setzen abwechselnd ihre Steine in weiß und schwarz auf einem Brett mit 19 mal 19 Feldern. Das Ziel ist es, Steine des Gegners einzukreisen und so mehr Fläche als er auf dem Spielfeld zu erobern. Wer mehr als die Hälfte des Bretts eingenommen hat, gewinnt.

Jetzt haben fünf Spiele zwischen dem weltbesten Spieler, Leo Sedol und der Software AlphaGo den Gegenbeweis geliefert. Der Rechner war klüger und kreativer als der weltbeste Spieler. Er gewann vier von fünf Partien mit Spielzügen, die nie zuvor von einem Menschen gespielt wurden.

Dass es aber nun 2016 passiert ist, überrascht selbst die Experten. Der Sieg der künstlichen Intelligenz gegenüber dem weltbesten Spieler Lee Sedol steht dafür, dass Computer inzwischen ebenso gut lernen wie ein Mensch – und zwar von Menschen.

Das ist nur eines von verschiedenen Feldern der Digitalen Transformation, die zusammenwirken (siehe Bild 1).

Die Entwicklung von intelligenten künstlichen Wesen, das mobile Internet, das Netz der Dinge (Smart Home, Smart Building, Smart City), die Sensorik, die Nanografie, die Biometrik, die 3D-Drucker und die Plattformwirtschaft werden aus Gründen der enormen Gewinn- und Produktivitätssteigerung einschließlich des medizinisch-technologischen Fortschritts intensiv genutzt und eingesetzt.

Mit dem Terminus „Digitale Transformation“ beschreibe ich die enormen wirtschaftlichen, medizinischen, militärischen und technischen Vorteile dieser Technologien. Diese Vorteile sind der Antrieb für einen dynamischen und komplexen Wandel, den ich in meiner nun 25jährigen Personalarbeit so noch nicht erlebt habe.

Das Wesen der Digitalen Transformation ist, dass nicht mehr die Hardware entscheidend ist, sondern die Software und ihre Plattformen. Dadurch entsteht eine datenbasierte Effizienzradikalität, eine Art Super-Taylorismus. Wer die Plattformen wie Android (Google) und Apple beherrscht, beherrscht den Markt. Wer alles über den Kunden weiß (Big Data), beherrscht den Kunden. The Winner takes it all. Damit wird die Produktivität durch eine datenbasierte Effizienzradikalität auf die Spitze getrieben.

Die Dynaxität (Kombination von Dynamik und Geschwindigkeit) verlangt ganz andere Fähigkeiten der Führung und Zusammenarbeit, als die, die bisher erfolgreich waren. Hier kommen herausragende Aufgaben auf die Personalabteilungen zu, Menschen und Organisationen zukunftsfit zu machen.

Entscheidungen müssen bei einem hohen Maß an Unsicherheit und Multioptionalität getroffen werden. Führungskräfte müssen immer mehr auszuhalten, dass etwas nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen. Mitarbeiter sind klüger und versierter als Führungskräfte. Bunte und diverse Leistungsteam bestimmen die Performance. Organisationen müssen Fehlentscheidungen möglichst vermeiden oder schnell wieder korrigieren.

Führungskräfte sind mit komplexen und dynamischen Systemen konfrontiert. Sie benötigen eine Reduktionsweisheit, um diese Komplexität angemessen zu reduzieren und zu steuern. Heute können Entscheider nicht mehr abwarten, sondern sie müssen den Mut haben, Zukunft zu gestalten. Unternehmen werden sonst schnell abgehängt und verlieren den Anschluss. Wir brauchen eine Arbeitskultur des „Scheiterns“, aus der schnell gelernt wird. Experimente werden essentiell, weil grundlegende Erfahrungen fehlen.

Entscheider müssen positive Bilder der Zukunft entwickeln, ansonsten werden sie durch die Zukunft abgewickelt. Tesla wurde lange Zeit von den deutschen Autoherstellern verlacht.  Tesla verkauft im Luxuswagensegment 2015 mittlerweile die meisten Autos. Das Unternehmen konnte von 2014 auf 2015 seinen Marktanteil um 43% steigern. Zum ersten Mal in der Automobilgeschichte gab es auf ein Auto, dem Tesla 3, innerhalb drei Wochen 400.000 Vorbestellungen. Die Geschwindigkeit des Wandels wird immer schneller. Wer zu früh dort ist, verliert Geld. Wer zu spät kommt, verliert den Anschluss. Timing und Fokus werden zur Schlüsselkompetenz von Führung.

Die Digitale Transformation ist im Kern damit eine kulturelle, soziale und emotionale Herausforderung. Ein von IBM veröffentlichtes Forschungsergebnis über die Frage, was die Gründe sind, warum über 80% der Change-Projekte scheitern, trotz perfekter Projektplanung, brachte drei wichtige Punkte hervor:

  • Unzureichendes Verantwortungsübernahme des Top-Managements für Veränderungen (61% des Scheiterns)
  • Unklare positive Zukunftsbilder (56% des Scheiterns)
  • Fehlende Erfahrung der Führungskräfte mit der emotionalen Verunsicherung der betroffenen Mitarbeiter (56% des Scheiterns)

Als Leiter Change-Management in verschiedenen Unternehmen kann ich den Punkten aus meiner Praxiserfahrung, die ich mit Veränderungsprojekten seit 1995 habe, sofort zustimmen.

Wenn Sie mehr erfahren möchten über die Digitale Transformation und ihre Auswirkungen, dann empfehle ich dieses Webinar. Hier geht es zur Anmeldung.