Was ist verbindliche Führung? Worin liegen ihre Chancen? Warum wird sie trotzdem wenig gelebt wird und welche Folgen hat unverbindliche Führung auf die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Antworten auf diese Fragen gibt diese Kolumne.
Verbindliche Führung erleben Menschen dann, wenn Führungskräfte ihren Worten Taten folgen lassen. Dazu vereinbaren sie realistische, überprüfbare und verbindliche Vereinbarungen. Sie helfen ihren Mitarbeitenden, die Vereinbarungen erfolgreich in die Realität umzusetzen. Die Problemlösung überlassen sie den Beschäftigten. So können für alle Erfolge sichtbar werden. Erfolge motivieren und stärken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn Ziele nicht erreicht werden, führen verbindliche Führungskräfte zeitnah Mitarbeitergespräche. Darin sprechen sie die Dinge klar an, ohne die Wertschätzung gegenüber den Menschen zu verlieren.
Neben den oben genannten Vorteilen fördert verbindliche Führung notwendige Rahmenbedingungen, dass Menschen Veränderungen motiviert angehen. Sie baut Vertrauen und Glaubwürdigkeit auf. Sie zeigt Wertschätzung insbesondere gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich für Veränderungen einsetzen. Verbindliche Führung bringt Loyalität gegenüber der eigenen Führungskraft und Authentizität unter einen Hut. Sie macht damit die Systemleistung von Führung wirksam und schafft ein positives Arbeitsklima.
Warum verbindliche Führung trotzdem häufig nicht gelebt wird?
Wenn die Vorteile überwiegen, warum wird verbindliche Führung wenig gelebt? Aus meiner langjährigen Erfahrung als Begleiter von Veränderungsprozessen gibt es eine Reihe von Gründen – die auch nachvollziehbar sind.
In Deutschland herrscht immer noch eine Fachkultur. Die Führungskräfte sind überwiegend mit Fachaufgaben beschäftigt, weil häufig durch Krankheit und offene Stellen personelle Kapazitäten fehlen. Führung von Menschen hat keine Priorität: Prioritäten werden entweder nicht gesetzt oder sind nicht durchzuhalten, weil permanent neue Aufgaben an die Mitarbeiter gestellt werden. Führungskräfte sind auf die emotionale und soziale Dynamik in heiklen Situationen weder vorbereitet noch sind sie dafür trainiert. Sie sind bei Konflikten mitunter überfordert. Führungskräfte fühlen sich in solchen Situationen allein gelassen. Sie befürchten eine Eskalation, wenn sie Konflikte offen ansprechen oder angehen.
Im Ergebnis bedeutet dies, dass Veränderungen in der Führungskultur und Zusammenarbeit sehr langsam vorangehen. Ohne verbindliche Führung werden die angestrebten Veränderungen besonders von skeptischen Menschen nicht ernst genommen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Führungskräfte dulden, dass Mitarbeitende angestrebte und notwendige Veränderungen unterlassen oder diese verweigern. Wenn Führungskräfte Unterlassungen dulden, wird die Ernsthaftigkeit der angestrebten Veränderungen unglaubwürdig und die Menschen, die sich aktiv dafür einsetzen, werden demotiviert. Veränderungen ohne verbindliche Führung sind deshalb nur schwer möglich.
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